Embodiment: 5 einfache Übungen

Embodiment: 5 einfache Übungen

Wie Sie mit Körperhaltung und Bewegung Ihre Stimmung verbessern

Denken Sie daran, wie es sich anfühlt, wenn Sie stolz, glücklich und voller Tatendrang sind.
Und nun an das Gegenteil: Sie sind gestresst, überlastet und niedergeschlagen.

Beide Gefühlszustände erkennt man an Ihrer Körperhaltung: einmal ist Ihr Körper aufrecht und Ihr Gesicht entspannt – wahrscheinlich mit einem Lächeln auf den Lippen. Das andere Mal ist Ihr Oberkörper gekrümmt, die Schultern angespannt und Ihre Stirn wahrscheinlich gerunzelt.

Aber geht das auch umgekehrt? Kann unsere Körperhaltung Einfluss auf unsere Emotionen nehmen?

Mit diesem Zusammenhang von Psyche und Körper beschäftigen sich Wissenschaftler unter dem Begriff Embodiment. Wir erklären Ihnen die Bedeutung von Embodiment und wie Sie Embodiment-Übungen gezielt einsetzen können, um Ihr Wohlbefinden und Ihre Stimmung zu verbessern.

Was genau ist Embodiment?

Embodiment, übersetzt „Verkörperung“, kann als Dachbegriff für das Zusammenspiel von innerem Empfinden und äußerer Wirkung des Körpers verstanden werden.

Dass es ein Zusammenspiel gibt, kennen wir aus unserem Alltag: je besser wir einen Menschen kennen, umso genauer können wir an seiner Körperhaltung erkennen, wie es ihm psychisch gerade geht.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich die Embodiment-Forschung mit der Wechselwirkung von Psyche und Körper. Die Befunde machen deutlich, dass nicht nur der Körper unsere psychische Verfassung widerspiegelt, sondern umgekehrt auch die Psyche der Spiegel unseres Körpers ist. Alles was uns innerlich beschäftigt (z.B. Stress), zeigt sich in Körperhaltung, Mimik und Gestik (z.B. Stirnrunzeln). Umgekehrt können wir durch unsere Haltung und Mimik eine innere Empfindung hervorrufen – also z.B. dadurch, dass wir mit gerunzelter Stirn am Morgen ins Büro gehen, direkt Stress empfinden. Das Körpergeschehen ist in diesem Fall die Ursache der inneren Empfindung und nicht dessen Wirkung. Dieser Vorgang wird auch als Bodyfeedback bezeichnet.

Embodiment: Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper

Exkurs: Bleistiftexperiment / Facial-Feedback

Eine bekannte Embodiment-Studie wurde 1988 von dem Sozialpsychologen Fritz Strack durchgeführt. Er manipulierte die Anspannung der Gesichtsmuskeln von drei Versuchsgruppen, indem sie einen Stift auf unterschiedliche Weisen halten mussten. Dabei sollte eingeschätzt werden, wie lustig Comics waren. Die Versuchsgruppe, die den Stift mit den Zähnen halten musste – und mit dieser Haltung unbewusst ihre Lachmuskeln aktivierte – fand die Comics am lustigsten. Die Gesichtsmuskulatur (Körper) hatte einen direkten Einfluss auf die Lustigkeitsempfindung (Emotion).

Wie kann ich Embodiment im (Berufs)Alltag gezielt nutzen?

Die beschriebene Wechselwirkung von Psyche und Körper ermöglicht uns eine gezielte Nutzung des Embodiment zum eigenen Vorteil. Die eigenen Emotionen sind nur schwer direkt zu steuern – aber auf unsere Körperhaltung und Bewegung können wir einfach Einfluss nehmen und so indirekt unsere innere Haltung steuern.

Lassen Sie also nicht Ihren Gemütszustand auf Ihren Körper wirken, sondern beeinflussen Sie Ihre Stimmung über Ihre Körperhaltung. Dadurch können Sie mit Stress einfacher umgehen und Ihre Stimmung für wichtige Situationen, wie z.B. Präsentationen, vorbereiten.

  • Beobachten Sie sich in verschiedenen Situationen
    Wollen Sie Embodiment einsetzen, müssen Sie wissen, wie Ihre Körpersprache, Mimik und Gestik in unterschiedlichen Situationen aussieht. Wie stehe oder sitze ich, wenn ich mich wohlfühle? Wie halte ich meine Arme und Hände, wenn ich selbstbewusst bin?

  • Lesen Sie die Körpersprache anderer
    Beobachten Sie auch die Körpersprache von Kolleginnen und Kollegen und lernen Sie daraus.

  • Fragen Sie sich, welches Gefühl Sie jetzt gerne hätten
    Nehmen Sie die zur gewünschten Emotion passende Körperhaltung ein. Unser Gehirn glaubt dem Körper, dass er sich gut fühlt und Sie verlassen die Negativspirale.

Kurzes Erklärvideo “Wie der Körper das Gefühl steuert”

Hier geht`s zum YouTube-Video: Embodiment – Wie der Körper das Gefühl steuert

5 Embodiment-Übungen, die Ihre Stimmung verbessern

Mit den folgenden Embodiment-Übungen können Sie Ihre Stimmung und Gedanken aktiv positiv beeinflussen. Die meisten Übungen können Sie überall schnell durchführen – auch im Büro oder Auto. Wichtig ist nur, dass Sie sie möglichst oft wiederholen.

1. Richten Sie sich auf

Egal ob im Sitzen oder Stehen: halten Sie Ihren Kopf gerade, strecken Sie die Wirbelsäule und lassen Sie Ihre Schultern locker.

2. Arme und Beine strecken

Stehen Sie auf und machen Sie Ihren Körper möglichst lang, indem Sie die Arme von sich strecken.

3. Hampelmann / Jumping Jacks

Machen Sie 10 Hampelmänner – diese Übung schöpft Ihren Bewegungsradius aus und die Muskulatur wird stärker durchblutet.

4. Tief atmen

Atmen Sie einige Male ganz bewusst und tief in den Bauch ein und über den Mund aus.

5. Bitte lächeln

In unserem Gesicht befinden sich unzählige Muskeln – werden die Mundwinkel nach oben gezogen, können positive Gefühle hervorgerufen werden.

Fazit: Embodiment ist ein Weg, z.B. in Stresssituationen positiv auf unsere Psyche einzuwirken. Negative Gedanken lassen sich meist nicht vollständig stoppen, aber es ist stets möglich, die Körperhaltung zu korrigieren, die Schultern locker zu lassen und einige Male tief in den Bauch zu atmen. Die Forschung zeigt auf, dass Körperhaltung und Bewegung einen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Daraus sollten wir jedoch nicht schließen, dass Embodiment auf Knopfdruck glücklich macht, indem wir ein gespielt fröhliches Gesicht aufsetzen oder die Arme von uns strecken.

Den Körper bewusst aufzurichten und körperliche Bewegung zur Routine zu machen, kann helfen sich motivierter, fröhlicher und positiver zu fühlen. Ein gutes, gesundes Körpergefühl und ein achtsamer Umgang mit sich selbst bilden letztendlich die Basis für unser Wohlbefinden.

Quellen:
https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/embodiment (abgerufen am 25.02.2021)
https://www.ugb.de/ugb-medien/einzelhefte/essen-lifestyle/embodiment-wie-die-koerperhaltung-die-psyche-beeinflusst/ (abgerufen am 25.02.2021)
Tschacher, Wolfgang/Maja Storch (2017): Grundlagen des Embodiment-Ansatzes in den Humanwissenschaften, in: motorik, 40. Jg., Ernst Reinhardt Verlag, S. 118-126.

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